Wer Bäume mit der Motorsäge bearbeitet, braucht je nach Arbeitsverfahren eine andere Fachkunde. Der wichtigste Unterschied zwischen AS Baum I und AS Baum II liegt deshalb nicht im Schwierigkeitsgrad, sondern darin, ob die Arbeit am Boden oder aus einer Hubarbeitsbühne in der Baumkrone erfolgt.
Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick
- AS Baum I vermittelt die Fachkunde für gefährliche Baumarbeiten mit der Motorsäge am Boden.
- AS Baum II baut auf AS Baum I auf und betrifft Motorsägearbeiten aus der Hubarbeitsbühne.
- Beide Lehrgänge dauern nach den SVLFG-Vorgaben in der Regel fünf zusammenhängende Arbeitstage.
- AS Baum II ersetzt keine Seilkletterausbildung und erlaubt nicht automatisch Motorsägearbeiten im Kletterseil.
- Eine Gefährdungsbeurteilung, geeignete persönliche Schutzausrüstung und betriebliche Unterweisung bleiben zusätzlich erforderlich.

Der entscheidende Unterschied liegt im Arbeitsverfahren
AS Baum I und AS Baum II gehören beide zur Ausbildung für sichere Motorsägenarbeiten an Bäumen. AS Baum I ist die Grundlage für gefährliche Baumarbeiten am Boden, während AS Baum II die Arbeit in der Baumkrone von einer Hubarbeitsbühne oder einem vergleichbaren Aufstiegsmittel behandelt.
| Merkmal | AS Baum I | AS Baum II |
|---|---|---|
| Arbeitsort | Am Boden und im bodennahen Arbeitsbereich | In der Baumkrone aus der Hubarbeitsbühne |
| Schwerpunkt | Fällen, Aufarbeiten und Beurteilen von Bäumen | Schnitt, Abtragen und Abseilen von Kronen- und Stammteilen |
| Voraussetzung | Arbeitsmedizinische Eignung und vollständige PSA | AS Baum I oder gleichwertige Fachkunde, Eignung und PSA |
| Hubarbeitsbühne | Nicht der zentrale Inhalt | Auswahl, Aufbau, Bedienung und Sicherheitseinrichtungen |
| Seilklettertechnik | Nicht enthalten | Ebenfalls nicht enthalten |
Meine praktische Faustregel ist einfach. Wer mit der Motorsäge vom Boden aus arbeitet, braucht normalerweise AS Baum I. Wer zusätzlich aus einer Hubarbeitsbühne in der Krone schneidet oder Baumteile stückweise abträgt, benötigt AS Baum II als aufbauende Qualifikation.
Was AS Baum I in der Praxis abdeckt
Im Lehrgang AS Baum I geht es um gefährliche Baumarbeiten mit der Motorsäge, also beispielsweise um die Fällung und Aufarbeitung stärkerer Bäume. Nach den abgestimmten Ausbildungsinhalten gehören dazu unter anderem Bäume mit einem Brusthöhendurchmesser von mehr als 20 Zentimetern. Der Brusthöhendurchmesser, kurz BHD, wird in 1,30 Meter Höhe über dem Boden gemessen.
Ein wichtiger Teil ist die Beurteilung des Baumes vor dem ersten Schnitt. Totholz, Fäulnis, Zwiesel, erkennbare Spannungen, Hängesituationen und Schäden durch Sturm oder Insekten können die Fällung erheblich verändern. Ich halte gerade diese Einschätzung für wichtiger als das reine Beherrschen einzelner Schnitttechniken, weil viele Unfälle vor dem Start der Motorsäge vorbereitet werden.
Typische Inhalte von AS Baum I
- Unfallverhütung und Verantwortlichkeiten bei Motorsägearbeiten
- Auswahl, Wartung und bestimmungsgemäßer Einsatz der Motorsäge
- Persönliche Schutzausrüstung und Erste-Hilfe-Maßnahmen
- Baumbeurteilung und Erkennen kritischer Situationen
- Fälltechniken und Rückweichen
- Aufarbeitung liegender Bäume und unter Spannung stehenden Holzes
- Umgang mit Seilzug, Winde und weiteren Hilfsmitteln
- Absicherung des Arbeitsbereichs und Kommunikation im Team
AS Baum I ist jedoch kein Freibrief für jede denkbare Situation. Die Aufarbeitung von Sturm- und Bruchholz gilt als besonders gefährlich und verlangt neben der Fachkunde mehrjährige Erfahrung und eine situationsbezogene Unterweisung. Genau hier überschätzen Einsteiger ihre Qualifikation häufig.
Was AS Baum II zusätzlich vermittelt
AS Baum II behandelt Baumarbeiten mit der Motorsäge aus einer Hubarbeitsbühne oder einem anderen geeigneten Aufstiegsmittel, jedoch ohne Seilklettertechnik. Im Mittelpunkt stehen Arbeiten in der Krone, das Abtrennen stärkerer Äste sowie das stückweise Absetzen von Kronen- und Stammteilen.
Die Hubarbeitsbühne bringt eigene Gefahren mit. Der Untergrund muss tragfähig sein, der Aufstellort braucht ausreichend Abstand zu Leitungen und Hindernissen, und die Notsteuerung muss bekannt sein. Außerdem müssen sich die Personen im Arbeitskorb verständigen und sichern können, während gleichzeitig Äste, Schnittgut und möglicherweise Abseillasten kontrolliert bewegt werden.
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Typische Inhalte von AS Baum II
- Auswahl und sicherer Einsatz geeigneter Hubarbeitsbühnen
- Aufbau, Sicherheitseinrichtungen und Notsteuerung
- Unterweisung und Befähigungsnachweis für Bediener
- Sicherungsmaßnahmen im Arbeitskorb
- Spezielle Schnitttechniken in der Baumkrone
- Stückweises Abtragen von Ästen und Stammteilen
- Auswahl und Einsatz von Abseilgeräten und Lastseilen
- Baustellenabsicherung und Gefährdungsbeurteilung
Die DGUV ordnet diesen Schwerpunkt dem Modul D zu, wenn Motorsägearbeiten aus Arbeitskörben mit stückweisem Abtragen von Bäumen durchgeführt werden. Dabei geht es nicht nur um das Sägen, sondern um das Zusammenspiel von Arbeitsbühne, Schnitttechnik, Abseilverfahren und Bodenmannschaft.
Voraussetzungen und Lehrgangsdauer im Vergleich
AS Baum I und AS Baum II werden nach den Vorgaben der SVLFG jeweils als fünftägige Lehrgänge mit insgesamt 40 Unterrichtsstunden angeboten. AS Baum I kann alternativ über einen zweitägigen Grundkurs und einen dreitägigen Aufbaukurs erworben werden, sofern beide Teile erfolgreich abgeschlossen werden.
| Voraussetzung | AS Baum I | AS Baum II |
|---|---|---|
| Gesundheitliche Eignung | Erforderlich | Erforderlich |
| Persönliche Schutzausrüstung | Vollständig mitbringen | Vollständig mitbringen |
| Vorherige Fachkunde | Keine AS-Baum-Vorkenntnisse erforderlich | AS Baum I oder gleichwertiger Nachweis erforderlich |
| Bedienung einer Hubarbeitsbühne | Nicht der Lehrgangsschwerpunkt | Bestandteil der aufbauenden Qualifikation |
Für AS Baum II reicht es deshalb nicht, bereits einige Male in einer Bühne gearbeitet zu haben. Wer die Bühne selbst bedient, braucht zusätzlich die dafür erforderliche Befähigung nach den einschlägigen DGUV-Vorgaben. Der konkrete Nachweis sollte auf dem Zertifikat klar erkennbar sein.
Was die beiden Nachweise nicht automatisch erlauben
Ein häufiger Irrtum ist die Annahme, AS Baum II sei eine allgemeine Ausbildung für alle Arbeiten in der Baumkrone. Das stimmt nicht. Der Lehrgang bezieht sich auf Arbeiten mit Motorsäge und Aufstiegsmitteln wie der Hubarbeitsbühne, nicht auf Motorsägearbeiten aus dem Kletterseil.
Für die Seilklettertechnik, kurz SKT, gelten zusätzliche Anforderungen an Aufstieg, Sicherung, Rettung und Arbeitsverfahren. Wer mit der Motorsäge im Seil arbeiten möchte, braucht deshalb eine passende weiterführende Qualifikation und eine dafür geeignete betriebliche Organisation.
Ebenso ersetzt ein Zertifikat nicht die tägliche Gefährdungsbeurteilung. Baumzustand, Wetter, Verkehr, Stromleitungen, Baustellenverkehr, Fallbereich und Rettungsweg müssen vor jedem Einsatz neu bewertet werden. Der Arbeitgeber muss außerdem geeignete Beschäftigte auswählen, unterweisen und mit passender PSA ausstatten.
Welcher Lehrgang für welchen Einsatz passt
Für gelegentliche Fäll- und Aufarbeitungsarbeiten am Boden ist AS Baum I der passende Nachweis. Das gilt etwa für Arbeiten im Garten- und Landschaftsbau, in Parkanlagen oder bei der Pflege größerer Privat- und Betriebsflächen, sofern die Tätigkeit zum Ausbildungsumfang passt.
AS Baum II ist sinnvoll oder erforderlich, sobald die Arbeit regelmäßig aus der Hubarbeitsbühne erfolgt. Typische Beispiele sind das stückweise Abtragen eines abgestorbenen Baumes neben einem Gebäude, der Kronenrückschnitt an einer Straße oder die Entfernung starker Äste an schwer zugänglichen Stellen.
- Nur Bodenarbeit: AS Baum I prüfen und passende betriebliche Unterweisung sicherstellen.
- Bodenarbeit und Hubarbeitsbühne: AS Baum I plus AS Baum II einplanen.
- Arbeit im Kletterseil: separate Qualifikation für Seilklettertechnik erforderlich.
- Sturm- oder Bruchholz: zusätzliche Erfahrung und spezielle Einweisung einplanen.
- Arbeiten an Stromleitungen: besondere Abstände, Freigaben und Schutzmaßnahmen beachten.
Ich würde bei der Kurswahl nicht danach gehen, welcher Lehrgang auf dem Papier kürzer oder günstiger wirkt. Entscheidend ist, welche Arbeiten später tatsächlich ausgeführt werden. Ein AS-Baum-II-Nachweis ohne sichere Erfahrung mit der Bühne hilft ebenso wenig wie AS Baum I, wenn regelmäßig in der Krone gearbeitet wird.
Die richtige Qualifikation beginnt mit der Einsatzplanung
Der Unterschied zwischen AS Baum I und AS Baum II lässt sich auf einen Satz bringen. AS Baum I qualifiziert für gefährliche Motorsägearbeiten am Boden, AS Baum II erweitert diese Fachkunde auf Baumarbeiten aus der Hubarbeitsbühne.
Vor der Anmeldung sollte der Betrieb deshalb seine typischen Einsätze, verwendeten Maschinen und geplanten Arbeitsverfahren prüfen. So lässt sich vermeiden, dass ein Zertifikat zwar vorhanden ist, aber wichtige Inhalte für den tatsächlichen Arbeitsplatz fehlen.
Für sicheren Baumbestand zählt am Ende nicht nur der Lehrgangsnachweis, sondern das Zusammenspiel aus Fachkunde, Erfahrung, geeigneter Technik, klarer Kommunikation und einer sorgfältigen Gefährdungsbeurteilung vor jedem Schnitt.
